Werkstatt: Kunstvermittlung als emanzipatorische Praxis

Die erste Werkstatt der KontextSchule 2016-18 wurde von Elke Smodics, Gründungsmitglied der in Wien ansässigen Forschungs- und Vermittlungsplattform trafo.K, geleitet. Elke Smodics arbeitet als Kunstvermittlerin mit den Schwerpunkten zeitgenössische Kunst und Feminismus. Ein Fokus ist dabei die Entwicklung von Vermittlungstools und Arbeitsmaterialien für emanzipatorische Bildungsprozesse. Die Kulturvermittlungsarbeit mit Auszubildenden und Schüler*innen im dualen österreichischen Ausbildungssystem ist eines ihrer zentralen Arbeitsfelder.
Zunächst stellte Elke Smodics die Entstehungsgeschichte, Entwicklung und Ansätze von trafo.K vor: 1999 von einer Gruppe kritischer Kunstvermittler*innen, Wissenschaftler*innen und Kurator*innen gegründet, wurde die langjährige Praxis des Kollektivs an der Schnittstelle von Bildung und kritischer Wissensproduktion mehrfach prämiert – unter anderem erhielten trafo.K 2012 den durch das Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur verliehenen Österreichischen Kunstpreis.
Kern ihrer Arbeit bilden kollaborative Arbeitsprozesse, wodurch die Vielstimmigkeit von Expertisen und Akteur*innen – von Künstler*innen, über Wissenschaftler*innen, Aktivist*innen bis hin zu Jugendlichen – zusammengetragen und für emanzipatorische und kritische Bildungsarbeit produktiv gemacht werden. Weitere Grundprinzipien des trafo.K-Teams sind dessen institutionsungebundene Arbeitsweise und das Selbstverständnis, als (Ver)Lernende an Vermittlungsprozessen beteiligt zu sein.

„Von welcher politischen Perspektive aus träumen wir, sehen wir, sind wir schöpferisch tätig und bringen etwas in Gang? (…) Es geht darum, die Bilder umzuwandeln, Alternativen zu schaffen.“ (hooks 1994:13)

Elke Smodics führte uns in Beispiele aus ihrem Methodenfundus ein: Die Vorstellungsrunde wurde mit der Präsentation und Diskussion von Bildkarten aus queer-feministischen Kontexten verknüpft, wobei wir von folgenden Fragen ausgingen:

Diese Übung ist Bestandteil der im Rahmen von flic flac – feministische, transziplinäre Workshops für die Berufsschule entstandenen Arbeitsmaterialien. Als weitere Methode wurde ein Mind Map mit den Mitwirkenden durchgeführt. Beim Mind Mapping geht es darum, eine Art Gedanken(land)karte über Begriffe und Gedanken in Clustern visuell darzustellen. Ausgehend von der Frage,

wurden die Mitwirkenden dazu aufgefordert, in einen temporären partizipativen Prozess zu gehen, und dabei Ideen und Themen zu sammeln und miteinander zu verhandeln.

Im dritten Teil präsentierte Elke Smodics schließlich das Arbeitsmaterial R.E.S.P.E.K.T. Dieses – gemeinsam mit Berufsschüler*innen entwickelte – diskriminierungskritische Diskussionsmaterial in Form eines Spieles bündelt unterschiedliche Handelsanregungen zu Ungleichheit in gesellschaftlichen Prozessen, die mit dem Alltag von Jugendlichen in Verbindung stehen.

Da für das Experimentieren mit dem R.E.S.P.E.K.T – Spiel im Rahmen des Workshops leider die Zeit fehlte, hat uns Elke Smodics den Materialkoffer ausgeliehen, um dies bei anderer gelegenheit nachzuholen. Aktuelle und ehemalige Teilnehmende der KontextSchule haben sich am Samstag, 26. Januar getroffen und sich in vier Teams über die Bedeutung von GEMEINSCHAFT, RESPEKT, LIEBE und SCHUTZ ausgetauscht, die vier Perspektiven, mit denen das Spiel zur Diskussion einlädt.

Im Anschluss an die Werkstatt führten Claudia Hummel und Valeria Fahrenkrog uns durch die Ausstellung 40 Jahre Kunst im Kontext: Der Weg eines Instituts: Der Weg eines Instituts. Beide wirkten als Kurator*innen an der Ausstellung mit, welche die Geschichte des Instituts von dessen Anfängen als „Modellversuch Künstlerweiterbildung“ bis zum heutigen „Institut für Kunst im Kontext“ als eine Bildungsgeschichte erzählt. Entlang eines durch Originalbilder und Zeitzeugnisse visualisierten Zeitstrahls wurde die Einbettung des Studiengangs in die – bis 1989 spezifisch Westberliner – Zeitgeschichte verdeutlicht und nachvollziehbar, „wie ein Studiengang (...) sich kulturpolitisch positionierte und dadurch Einfluss nahm, als auch gesellschaftspolitisch durchdrungen war“.

Gäste: Elke Smodic, Claudia Hummel & Valeria Fahrenkrog

Termin: Freitag, den 14. Dezember 2018, 10:00-18:30 Uhr

Literatur zum Treffen